Heizen mit Wasserstoff hat keine Zukunft

Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) sieht vor, dass Gasheizungen weiterhin eingebaut und eingesetzt werden dürfen, sofern sie technisch dazu in der Lage sind, klimaneutralen Wasserstoff zu verarbeiten (H2-ready). Energieexpertinnen und -experten sowie Verbraucherschutzverbände halten das Heizen mit Wasserstoff jedoch nicht für sinnvoll und warnen vor Kostenrisiken für Verbraucherinnen und Verbraucher. Zudem existiert grüner Wasserstoff bisher nur in geringen Mengen in Pilotprojekten und zu sehr hohen Preisen. Verschiedene Studien zeigen, dass auch in Zukunft nicht genug grüner Wasserstoff zum Heizen zur Verfügung stehen wird, da die verfügbaren Mengen zuerst dort benötigt werden, wo es keine alternativen Lösungen gibt. Beispiele sind die Chemie- und die Stahlindustrie.

Die Herstellung von Wasserstoff ist sehr energieintensiv und damit auch sehr teuer. Bislang gibt es nur hochaufwendige chemische Prozesse (Elektrolyse), bei denen mithilfe von erneuerbarem Strom Wasserstoff erzeugt wird, der anschließend für die Wärmegewinnung verbrannt wird. Das Ergebnis dieser Ineffizienz ist, dass zum Heizen mit Wasserstoff rund fünfmal so viel Strom verbraucht wird, wie beim Heizen mit einer Wärmepumpe. Und das schlägt sich in den Kosten für Verbraucherinnen und Verbraucher nieder. Zusätzliche Preistreiber sind der Aufbau und die Umrüstung der für die Wasserstoffnutzung notwendigen Infrastruktur und die steigenden Netzentgelte für den Transport. Da immer weniger Gasheizungen bis 2045 in Betrieb sein werden, muss eine immer kleiner werdende Kundengruppe die steigenden Kosten für den Umbau des kompletten Gasnetzes zur Wasserstoffnutzung finanzieren.


An vielen Stellen wird es zudem nicht möglich sein, gleichzeitig Erdgas und Wasserstoff durch das gleiche Netz zu liefern. Eine Umstellung von einem Energieträger auf den anderen ist also nur synchron für ganze Straßenzüge möglich, wenn für alle Anschlüsse H2-ready-Heizungen existieren. Die konkreten Planungen der Netzagentur umfassen bislang nur den Aufbau eines Kernnetzes, eine Umrüstung des lokalen Verteilnetzes ist bislang nicht gesichert. Erste Studien kommen entsprechend zu dem Ergebnis, dass selbst im Jahr 2035 das Heizen mit nur 65 Prozent Wasserstoff in etwa doppelt so teuer sein wird, wie das Heizen mit einer Wärmepumpe.

Neben den zu erwartenden Kosten gibt es auch technologisch noch offene Fragen. Anders als beispielsweise die Wärmepumpe ist die Wasserstoff-Gasheizung technologisch noch nicht ausgereift. Bislang verfügbare Geräte sind lediglich in der Lage, eine Beimischung von 20 bis 30 Prozent Wasserstoff zu verbrennen. Vom vollständigen klimaneutralen Heizen, das sich die Bundesregierung bis 2045 als Ziel gesetzt hat, sind diese H2-ready-Gasheizungen also noch weit entfernt. Heizungen, die 100 Prozent Wasserstoff verbrennen können, sind aktuell auf dem Markt noch nicht verfügbar - möglicherweise fallen dann also noch weitere Kosten für ein anderes Heizgerät oder eine Umrüstung an.

Hinzu kommt, dass das existierende Erdgasnetz zu großen Teilen ertüchtigt werden müsste, um Wasserstoff transportieren zu können. Die chemischen Eigenschaften von Wasserstoff und Erdgas sind sehr unterschiedlich. Wasserstoffmoleküle sind deutlich leichter und flüchtiger, da ihre Dichte geringer ist. Zudem ist Wasserstoff hochexplosiv. Dies macht Anpassungen für den Transport im bestehenden Gasnetz notwendig. Die geringe Energiedichte von Wasserstoff führt außerdem dazu, dass für die gleiche Menge an erzeugter Energie knapp die vierfache Menge an Wasserstoff nötig ist. Rohrdurchmesser oder Druck müssten für den Transport deshalb verändert werden. Laut der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung müssen beispielsweise Mess-, Steuerungs- und Regelungselemente vollständig ausgetauscht werden, weil sie nicht für Wasserstoff vorgesehen sind.


All dies lässt die Wirtschaftlichkeit der Umrüstung von Gasnetzen auf Wasserstoff hoch fraglich erscheinen. Mit Wasserstoff betriebene Heizungen sind Kostenfallen für Verbraucherinnen und Verbraucher sowie für die Gesamtgesellschaft. Es gibt sinnvollere lokale Lösungen für das klimaneutrale Heizen, die auch heute schon verfügbar sind.